MHG-Studie und Reaktionen

Die Studie „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ (MHG-Studie) wurde am 25. September 2018 veröffentlicht. Sie enthält eine Fülle von Informationen und Hinweise auf Veränderungsbedarf in der katholischen Kirche. (Den gesamten Bericht, eine Zusammenfassung und verschiedene Dokumente in diesem Zusammenhang finden Sie ►hier auf der Homepage der Deutschen Bischofskonferenz).

Reaktionen auf die Studie aus unserer Diözese

* Der Diözesanrat beschäftigte sich in seiner 2019 mit Konsequenzen für die Diözese und beschloss ein umfangreiches Paket an Empfehlungen. Wesentliche Impulse in der Diskussion brachten vier externe Berater:innen ein, u.a. Kerstin Claus vom Betroffenenrat beim Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung.
Hier die ►Empfehlungen im Wortlaut.

* Diözesanjugendseelsorger Markus Scheifele äußert sich im ►"Querschnitt" 1/2019 des BDKJ (Leseprobe "Standpunkt Missbrauch"): "Bei den vielen Äußerungen zum sexuellen Missbrauch in der Kirche in den letzten Wochen und Monaten stelle ich mir stets dieselbe Frage: Was will die Kirche eigentlich? Anstatt den Glauben den Menschen nahezubringen, versucht sie ihre Strukturen und damit einhergehende Machtposition zu verteidigen."

* Ordinariatsrätin Dr. Irme Stetter-Karp schreibt in der Zeitschrift "neue caritas" 19/2018 unter der Überschrift ►"An die Strukturen gehen":
"Wir wissen aus der Aufarbeitung der Heimerziehung: Die Zeit heilt keine Wunden. Das ist schmerzlich anzuerkennen. Doch wer jetzt die Augen vor der Wirklichkeit verschließt, läuft Gefahr, die Zukunft zu verspielen. Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde."

* Pfarrer Stefan Spitznagel schreibt im Gemeindebrief der Kirchengemeinde Zur Heiligen Familie, Marbach: "Als Pfarrer schäme ich mich für unsere Amtskirche." ►Hier sein Kommentar zu den innerkirchlichen Ursachen des sexuellen Missbrauchs und möglichen Perspektiven.

* Pfarrer Paul Schobel: "Anstöße" im SWR am 22.10.2018:
►https://www.kirche-im-swr.de/?page=manuskripte&id=27412

* Der Stadtdekan von Stuttgart, Dr. Christian Hermes, äußerte sich am 09.10.2018 in einem Interview:
►https://www.kath-kirche-stuttgart.de/service/journal/detail/verantwortung-darf-nicht-weiter-verschleiert-und-spiritualisiert-werden/

* Informationen der Präventionsbeauftragten Sabine Hesse ►zur Präventionsarbeit der Diözese Rottenburg-Stuttgart beim Pressegespräch am 17.09.2018

Zur Präventionsarbeit halten die ForscherInnen u.a. fest:

"Die Bemühungen der katholischen Kirche um eine gute Präventionsarbeit sind zu begrüßen und können in Teilen als Modell für andere Institutionen dienen." (S. 13)

Aber auch:

"Insofern erscheint eine strukturelle und quantitative Aufwertung der Funktion der Präventionsbeauftragten notwendig. Auch der Ausbau partizipativer Ansätze und der verstärkte Einbezug von Betroffenen in die Präventionsarbeit erscheinen geboten. Diese Aufgabengebiete sind als übergreifende Thematiken aller relevanten Hierarchieebenen der Diözesen und der katholischen Kirche zu begreifen und nicht als alleiniges Verantwortungsgebiet der Präventionsbeauftragten.
Insbesondere dürfen bisherige anerkennenswerte Bemühungen auf dem Feld der Präventionsarbeit nicht als Alibi genutzt werden, um die Auseinandersetzung mit strukturspezifischen Themen der katholischen Kirche, die für sexuelle Missbrauchshandlungen von Klerikern bedeutsam sind, zu überdecken oder zu vermeiden." (S. 210)